„Spielfreude und Spaß – das ist wichtig“ – Artikel aus dem Mannheimer Morgen vom 16.07.2011

Athis Music Lounge: Die Formation um den Schwetzinger Sänger Athi Sananikone ist seit sieben Jahren ein Bestandteil der lokalen Szene / Auftritt heute Abend

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Lin

Seit rund zehn Jahren ist Athi Sananikone ein fester, unverzichtbarer Bestandteil der Musikszene in und um Schwetzingen – besonders seit es sein außergewöhnliches Projekt „Athis Music Lounge“ gibt – eine äußerst vielfältige Coverband bestehend aus ständig wechselnden Musikern rund um Sänger Athi. Am Samstag will die interessante Formation die Nordstadthalle zur musikalischen Partyzone machen.

Von Laos nach Schwetzingen

Im Alter von nur wenigen Monaten kam Athi Sananikone damals vor 30 Jahren nach Deutschland. Wegen der politischen Unruhen floh seine Familie damals aus Laos – wie viele andere auch. Seitdem ist die Region Schwetzingen seine Heimat, hier ist er aufgewachsen, ging in Oftersheim in die Grundschule und baute später 1999 am Hebel-Gymnasium sein Abitur.

Die Sananikones waren damals schnell integriert. Laotisch, die Muttersprache seiner Eltern, kann er immerhin so leidlich. „Zum Überleben reicht’s“, lacht der heute 31-Jährige bei unserem Gespräch im „Grünen Baum“ in Schwetzingen.

Dass wir uns hier treffen, hat durchaus seine Bewandtnis. „Dem Grünen habe ich viel zu verdanken“, erzählt Sananikone. Denn hier ist quasi das musikalische Stammlokal von Athis Music Lounge. Hier ist die Formation regelmäßig zu Gast, hier hat sie ihr Stammpublikum, hier ist es immer voll, wenn Athi und Co. zu Gast sind. „Hier probieren wir auch gerne neue Sachen aus“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Hier können wir uns alles erlauben, hier dürfen wir auch mal was versemmeln.“

Denn die Vielfalt, die Experimentierfreudigkeit, das zeichnet Athi Sananikone und seine Kollegen aus. Manchmal entstehen „verrückte Sachen“, lacht er und ergänzt flugs, was ihm bei der Musik wichtig ist: „Es muss authentisch wirken. Spielfreude, Spaß haben, das ist wichtig – bei den Musikern und beim Publikum.“

Woher seine musikalische Ader kommt, lautet eine Frage: „Wir sind eine Musikerfamilie.“ Papa war Schlagzeuger, Mama Sängerin. Athi lernte ursprünglich Keyboard und machte irgendwann mit dem Vater Musik. Beatmusik, aber auch traditionelle laotische Lieder. „Es war eine harte Schule, aber es war’s wert“, blickt er heute zurück.

Irgendwann hatte er davon – wie viele andere Jugendliche – aber die Nase voll. „Doch anstatt aufzuhören, habe ich beschlossen, mein eigenes Ding zu machen.“ 2001/02 entstand die Band „Supafly“ weitgehend aus Musikern seines Abiturjahrgangs. Längst war Athi nicht mehr Keyboarder, sondern Sänger. „Als Sänger musst du weniger tragen als Keyboarder“, erklärt er schelmisch seine Beweggründe für den Rollentausch. Ehrlich klingt anders: „Ich habe einfach gemerkt, dass ich als Sänger mehr Potenzial habe.“ Dass er da mehr im Blickpunkt steht, war ihm nicht unangenehm. Auf diversen Instrumenten ist er trotzdem einigermaßen bewandert: „Das hilft mir dabei, auf die Musiker einzugehen und bei Songs mitzureden.“

„Supafly“ gab es einige Jahre, in Schwetzingen gab es reichlich Auftrittsmöglichkeiten, einer der letzten Gigs war – passend zum Auftritt am Samstag – bei „Beat meets Ball“ der HG Oftersheim/Schwetzingen. Doch irgendwann hatte Sananikone keine Lust mehr auf Coversongs, wollte eigene Sachen machen: „Ich hatte sogar schon ein Album fertig.“ Doch es war mit diesem Material einfach schwer, an Auftritte zu kommen. „Dann hab ich halt wieder angefangen zu covern.“

Basierend auf dem Kreis, den er von der Schule kannte, begann er 2004 das Projekt „Athis Music Lounge“, das bis heute besteht. „Das einzige feste Mitglied bin ich“, erklärt er. Der Rest rekrutiert sich aus einem Kreis von 25 Leuten, vorher waren es sogar zwischenzeitlich 40. Der Großteil sind keine Profis, was durchaus Vorteile hat: „Wir sind nicht zwingend auf die Musik angewiesen.“ Nicht-Profi heiße aber nicht, „dass wir nicht professionell Musik machen“.

„Ich schaue, wie’s passt“

Wer beim jeweiligen Auftritt mit von der Partie ist, entscheidet Athi Sananikone, der zwischendrin auch beim Musical „Max more“ dabei war („Interessant, aber nicht meine Welt“) immer von Fall zu Fall: „Ich schaue, wer Zeit hat, wie’s passt und wie’s musikalisch zusammenpasst.“ Zuerst schaut er dabei auf die Sänger („Das sind die Könige des Schlachtfelds“) und bastelt dann die Band zusammen.

So war es auch bei der Planung für heute Abend bei „Beat meets Ball XXL“ (Beginn 21 Uhr), wobei eine „bunte Mischung“ der musikalischen Stilrichtungen und der Performance herauskommen wird, wofür die Lounge bekannt ist. So wird mal wieder ein MC mitwirken und somit Hip-Hop-Stücke ins Programm hieven. Aber auch für die etwas Älteren ist einiges dabei: AC/DC oder Dire Straits als Kontrastprogramm zu Lady Gaga und Kate Perry.